Azubi-Prämie ab Herbst 2020 geplant. Handwerk, Handel und Mittelstand sollen weiterhin ausbilden

Wirtschaftsministerin Hoffmeister-Kraut ( CDU) plant Presseberichten zufolge eine Ausbildungsprämie für Betriebe in Kurzarbeit, die in vergleichbarem Umfang wie bisher weiter ausbilden. Der Start soll im Herbst erfolgen. Im Gespräch sind 3000 Euro als Einmalzahlung und sechs Monate je 515 Euro, was der Mindesausbildungsprämie entspricht. Hintergrund: Wegen Corona und Kurzarbeit scheuen viele Ausbildungsbetriebe aktuell neue Lehrverträge. Die Kammern in Baden-Württemberg rechnen mit einem starken Einbruch. Schon jetzt verzeichnen viele Kammerbezirke weniger Angebote – in der Region Stuttgart sind es rund 15 Prozent.

BWHT wünscht sich noch Extrabonus für Musterbetriebe

Der Baden- Württembergische Handwerkstag (BWHT) begrüßt diesen Vorschlag, fordert angesichts der angespannten Wirtschaftslage aber einen darüberhinausgehenden Bonus für alle Betriebe, die gleich viel oder mehr ausbilden wollen. Außerdem müsse die berufliche Orientierung an den Schulen dringend weitergehen und intensiviert werden.

„Ausbildung ist für das Handwerk ein Herzensanliegen. Doch die Auswirkungen der Coronakrise haben einige Betriebe stark getroffen. Wir müssen vermeiden, dass diese ihre Ausbildungsleistung nicht mehr erbringen können. Die Prämie für Betriebe in Kurzarbeit ist ein wichtiger Baustein, wir brauchen jedoch zusätzlich einen Bonus als Entlastung und Anreiz für alle Betriebe, die weiter oder sogar verstärkt ausbilden wollen“, sagt Landeshandwerkspräsident Rainer Reichhold. Dies ließe sich über eine Beteiligung des Staates an den Ausbildungskosten bewerkstelligen.

Wegen Corona keine Info-Veranstaltungen an Schulen

Problematisch sei, dass es in den vergangenen Wochen keine Angebote zur beruflichen Orientierung in den Schulen hatte geben können, so Reichhold. Dabei sei gerade jetzt die Zeit, in der Schüler ihre berufliche Zukunft planten. „Wir müssen deshalb Angebote zur Berufsorientierung auch auf digitale Kanäle verlagern, Schüler noch stärker als bisher online ansprechen und beraten.“ Bei den Handwerksorganisationen gibt es bereits verschiedene Möglichkeiten, beispielsweise die Lernsoftware „MeisterPOWER“, in der Schüler spielerisch in die Rolle eines Handwerkschefs schlüpfen.

Rainer Reichhold, Landeshandwerkspräsident Baden-Württemberg

Fachkräfte im Handwerk weiterhin gesucht

Die Handwerksorganisationen wollen in den kommenden Wochen bei den Betrieben besonders intensiv für die Fortsetzung der Ausbildungsleistung werben. Mit Blick in die Zukunft sei es enorm wichtig, dass die Betriebe trotz der angespannten Wirtschaftslage weiter ausbilden, appelliert Reichhold. „Jugendliche, die eine Karriere im Handwerk anstreben, sollen diese Möglichkeit auch bekommen. Für die Betriebe besteht jetzt die Chance, dringend benötigte Nachwuchskräfte zu gewinnen. Denn den Fachkräftemangel im Handwerk wird es auch nach Corona weiter geben. Wir sind zuversichtlich, dass unsere Betriebe diese Chance ergreifen werden.

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(Copyright Fotos: Zentralverband Deutsches Bäckerhandwerk e.V./Handwerkstag Ba-Wü)