Gastbeitrag Nicole Rauscher, LIM Bodensee-Oberschwaben: Losentscheid über das Schicksal von Unternehmen?

Das neue Bundesförderprogramm „Digital jetzt“ ist nahezu unerreichbar für Mittelständler und Kleinbetriebe, die sich digital aufstellen wollen und alle Hebel in Bewegung setzen, um ihre digitale Transformation voranzubringen. So das Fazit von Nicole Rauscher aus Lindau. Unsere LIM-Kreisvorsitzende „Bodensee-Oberschwaben“ und Unternehmensberaterin/Coach hat ihre Erfahrungen mit dem Programm in einem Gastbeitrag zusammengefasst. Wir publizieren ihn hier und laden Sie ein, uns Ihre Meinung zu schreiben:

Gewaltig gebeutelt werden die Unternehmen durch die Maßnahmen, die ergriffen werden, um der Corona-Pandemie zu entkommen. Einerseits schaut die Regierung auf die Infektionszahlen, andererseits läßt sie aber Millionen Unternehmen ins offene Messer laufen. Einerseits ist die Gesundheit von Menschen so wichtig, dass hier die gesamte Welt lahmgelegt wird, andererseits erkranken genau an diesem Zustand andere und ziehen noch nicht absehbare Spätfolgen nach sich. Aber das spielt keine Rolle. Kann das jemand verstehen?

Mittelstand – bald ein Fall für die Intensivstation

Firmen werden kaputt gemacht, Konzerne haben bereits die Entlassungen von Tausenden von Mitarbeitern angekündigt. Doch die stabile und zuverlässige Kraft war bislang immer der Mittelstand. Dem wird jetzt aber auch weiter und weiter die Luft abgedrückt (auf welche Intensivstation können diese Patienten dann eingeliefert werden?) und wenn es vielleicht doch mal wieder Sauerstoff geben könnte, lässt ihn der Staat am langen Arm regelrecht verhungern oder er nimmt ihn auf selbigen.

Warum bin ich so erbost? Nachdem im August bekannt wurde, dass es bald ein neues Bundesförderprogramm geben soll, wurden in vielen Online-Vorträgen und -Infoveranstaltungen unzählige Hoffnungen geweckt. Die Referenten erklärten den neuen Star am Förderhimmel, das Programm „Digital jetzt“, in den schillerndsten Farben. Kompatibel mit Programmen wie „go digital“ oder „unternehmensWert:Mensch plus“ sei es auch noch. Ja prima, da hat sich jemand wirklich mal was einfallen lassen, was tatsächlich weiterhelfen könnte. Aber eben nur KÖNNTE!

Nur eine Stunde Zeit für Registrierung

So weit die Theorie, doch die Praxis sah ganz anders aus: Das Programm „Digital jetzt“ ist unerreichbar! Am 7. September 2020 war Start. Zugegeben, zu diesem Zeitpunkt war ich noch nicht dabei, aber aus seriösen Quellen erfuhr ich, dass es genau 1 Stunde möglich war, sich für Antragseinreichungen registrieren zu lassen. Ich traute zuerst meinen Ohren nicht, weil ich es nicht für möglich hielt. Aber es sollte noch härter kommen.

…neuer Start und erneut Probleme bei der Antragstellung

Am 15. Oktober wurden die Pforten zum Förderprogramm nochmals geöffnet. Um 9 Uhr sollte die Freischaltung erfolgen für neue Registrierungen. Also war ich superpünktlich am PC und bereit, sofort mit meinen Eingaben anzufangen. Als ich um 9.04 Uhr meine fertige Datei hochladen wollte, erschien die Anzeige, dass es wegen einem TECHNISCHEN DEFEKT auf der Seite nicht möglich sei. Ich sollte es später nochmals probieren. Das war genau um 9.04 Uhr! Ich probierte es wieder und wieder und blieb hartnäckig dran, aber jedes Mal kam die gleiche Meldung. Doch gegen ca. 10.21 Uhr veränderte sich die Nachricht: „Das Kontingent für Neu-Registrierungen ist erschöpft. Es kann kein neuer Nutzer angelegt werden“.

Es war ernüchternd! Keinen Förderantrag konnte ich eingeben. Dafür erfuhr ich von Kollegen und Kolleginnen aus dem ganzen Bundesgebiet, dass es ihnen genau gleich ging. Im ersten Moment schießen Gedanken durch den Kopf, wie „das gibt’s doch nicht“, aber im zweiten Moment könnte man auch über eine gewisse Absicht, die dahinterstecken könnte, nachdenken.

Webseite des Bundeswirtschaftsministeriums

In wenigen Tagen startet ein Zufallsverfahren

Inzwischen ist auf der Seite von „Digital jetzt“ folgender Text veröffentlicht: „…Die Registrierung wird am 1. Dezember 2020 wieder geöffnet und ist für alle Unternehmen dann fortwährend offen. Bereits bestehende Registrierungen behalten ihre Gültigkeit. Die monatlich verfügbaren Kontingente werden ab Januar 2021 auf Basis eines Zufallsverfahrens verlost. Die ausgelosten Registrierungen können einen Antrag vorbereiten und einreichen. Dieses Verfahren stellt maximale Transparenz und Chancengleichheit sicher. Weitere Informationen zum Losverfahren folgen in Kürze auf www.bmwi.de/digitaljetzt…“

Mittelstand wird herabgewürdigt

Da fehlen mir die Worte! Als sich die Gedanken langsam wieder ordneten, schossen mir Überlegungen in den Sinn wie ein „perfider Plan“, „Willkür“, „die eigene Haut retten wollen, indem etwas verkündet wird, was gar nicht funktionieren SOLL“, usw. Auf jeden Fall ist es in meinen Augen die totale Herabwürdigung des Mittelstands, denn dieses Bundesprogramm wird als „Investitionsförderung für KMU“ auf der Webseite beschrieben. Dazu ist dann noch eine Aussage von Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) zu finden: „Wir fördern Investitionen in digitale Technologien und in digitales Knowhow.“ Aber der Mittelstand wird nicht gefördert, sondern noch viel mehr gedemütigt und teilweise damit sogar zum Tode verurteilt.

Unternehmer, schnapp das Würstchen!

Bei diesem Losverfahren drängt sich mir das Kinderspiel „Würstchen schnappen“ auf. Dabei werden an einer Schnur abgebundene Würstchen festgemacht und hochgespannt. Die Kinder müssen dann mit den Armen auf dem Rücken hochspringen und versuchen, etwas abzubeißen. Und manchmal wird die Schnur hochgezogen, damit keiner rankommt. Ich kenne diese Situation, wenn ich meinem Hund etwas Gutes tun will und ein Leckerle hinhalte. Das gebe ich ihm dann allerdings ohne ihm das vorher erst wieder wegzuziehen.

Was soll das, Herr Altmaier?

Das heißt, mit Tieren geht man freundlicher um als mit Menschen. Menschen, von denen der Staat bisher gut gelebt hat. Menschen, die mit ihrer Steuer all die Abgeordneten und Minister und Präsidenten zahlen, die nun solch vernichtende Maßnahmen dem Mittelstand anbieten. Dabei ist keine Spur von Anerkennung, Respekt, Achtsamkeit oder gar Wertschätzung zu erkennen. Deshalb frage ich: „Was soll das, Herr Altmaier?“

LIM-KONTAKT: Schreiben Sie uns von Ihren Erfahrungen als Mittelständler in Sachen Förderung. info@lim-bw.de

Autorin: Nicole Rauscher, www.nicole-rauscher.de

Copyright Fotos: LIM Ba-Wü

 

 

 

 

 

 

Zeitarbeit – Rettunganker oder moderner Sklavenhandel? LIM Bodensee-Oberschwaben mit Online-Diskussion

Corona hat die Diskussion um neue Arbeitsmodelle entfacht: Home-Office, mehr freie Mitarbeiter und Teilzeitmodelle, Plattform-Geschäfte, aber auch Zeitarbeit. Gerade mittelständische Unternehmen können von flexiblen Mitarbeitern auf Zeit profitieren. Der FDP-Kreisverband Lindau lädt in Kooperation mit dem LIM Bodensee-Oberschwaben deshalb am 7.12.2020 um 19 Uhr zu einer Online-Diskussion ein. Titel: „Zeitarbeit – Rettungsanker für die Wirtschaft oder moderner Sklavenhandel?“.

Personalvermittler für Ingenieure mit dabei

Dafür konnte der FDP-Landesvorsitzende Michael Theurer, MdB und stellvertretender Fraktionsvorsitzender der FDP-Bundestagsfraktion, als Teilnehmer gewonnen werden. Der zweite Experte ist der mehrfach preisgekrönte Unternehmer und als Top-Arbeitgeber gekürte Joachim Lang von der Ulmer consinion GmbH. Seine Personalvermittlung spezialisiert sich auf Ingenieure in technischen Berufen. Beide geben einen Ausblick auf die Zukunft der Arbeitswelt und stellen sich den Fragen des Publikums.

Zeitarbeit und Generation Z

Immer wieder wird die Zeitarbeit als „moderner Menschenhandel“ bezeichnet. Aber kann sie sich möglicherweise für die Zukunft zu einer attraktiven Arbeitsform entwickeln? Wie kann diese Arbeitsform den Wünschen der jungen Generation gerecht werden. Bietet diese Form z.B. gerade für die Generation Z, welche eher projektbezogen arbeiten möchte, eine Alternative zu einem Dauerarbeitsplatz? Wie wirkt sich der Wandel im Arbeitsumfeld zu mehr Flexibilität auf die Familienfreundlichkeit in Stadt- und Landkreis aus?

Was bedeutet Zeitarbeit für die Gesellschaft und das Zusammenleben?

Ein Arbeitnehmer, welcher nur in Projekteinsätzen arbeitet, kann nicht oder nur schwer „sesshaft“ werden, eine Familie gründen, eine Immobile kaufen oder auch in seiner Heimatgemeinde ehrenamtlich tätig zu werden. Alle Fragen müssen betrachtet werden, wenn wir den Wandel in der Arbeitswelt hin zu mehr Flexibilität vollziehen. Ist dies für eine Gesellschaft sinnvoll, sich dort hinzubewegen? Oder sollte man die Zeitarbeit nur als Recruiting-Instrument einsetzen, um die Personalabteilungen gerade in den KMUs zu entlasten? Alle Fragen werden diskutiert.

Michael Theurer (FDP)

So nehmen Sie an der Online-Veranstaltung teil:

Über diesen Link am 7. Dezember um 19 Uhr anmelden und mitdiskutieren: https://us02web.zoom.us/j/84795689318

„Demokratie lebt vom Mitmachen! Deshalb machen Sie mit, beteiligen Sie sich an unserer Veranstaltung, stellen Sie Ihre Fragen und teilen Sie Ihre Meinung. Nur so kann etwas verändert werden“, sagt LIM-Kreisverbandsvorsitzende Nicole Rauscher. Sie hofft auf rege Beteiligung von LIM-BaWü-Mitgliedern und anderen Interessierten.

(Foto: Lindau am Bodensee, Copyright: Stadtmarketing Lindau)

Familienfreundlichkeit & Familienpolitik – Online-Veranstaltung des LIM-Kreisverbands Bodensee-Oberschwaben am 28. August

Was hat Familienfreundlichkeit mit Unternehmen und Selbstständigen zu tun? Sehr viel, denn nur es wenn daheim läuft, Kinder und Familie optimal versorgt sind, dann können Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter oder der Inhaber effizient arbeiten.  Schon vor, aber besonders durch Corona, wurden viele Familien vor völlig neuen Herausforderungen gestellt. Deshalb hat sich der Kreisverband des Liberalen Mittelstands Bodensee-Oberschwaben in Zusammenarbeit mit dem Kreisverband der FDP in Lindau zum Ziel gesetzt, die politischen Stellen, wie auch die Unternehmen und Privatpersonen dafür zu sensibilisieren und neue Akzente zu setzen, um den Familien das Leben zu erleichtern.

Fraktionssprecher Familie und Senioren aus Bundestag

„Familienfreundichkeit im Landkreis stärken“ heißt deshalb eine Online-Veranstaltung, die am 28. August 2020 um 19 Uhr stattfinden wird. Mit einer Keynote dabei und offen für Fragen und eine Diskussion ist Grigorios Aggelidis, MdB der FDP und der Fraktionssprecher für Familien und Senioren. In der Online-Veranstaltung soll es um die Folgen der Corona-Krise für Familien gehen, aber auch um Ideen für eine sinnvolle kommunale Infrastruktur, betriebliche Angebote und Unterstützung für Familien. Aggelidis wird auch  auf das FDP-Konzept Kinderchancengeld, Digitalisierung von Familienleistungen sowie Elterngeldreform eingehen.

Jetzt anmelden für die Online-Veranstaltung

Da das Thema landesweit von Relevanz ist, freut sicht der LIM-Kreisverband Bodensee-Oberschwaben auch über Teilnehmer/innen aus anderen Teilen von Baden-Württemberg oder Bayern. Der Kreisverband ist der erste, der länderübergreifend Ende 2019 gegründet wurde.

Sie haben Interesse? Melden Sie sich bitte an unter veranstaltungen@fdp-lindau.eu ,um den Zugangslink zu erhalten.

Die Initiatorin der Web-Veranstaltung und Vorsitzende des LIM-Kreisverbandes Nicole Rauscher beschäftigt sich schon seit vielen Jahren mit der Familienfreundlichkeit. Selbst Mutter eines Sohnes und stets berufstätig, erfuhr sie am eigenen Leib, wo die Hindernisse sind und wo man als Alleinerziehende an Grenzen stößt. Umso mehr liegt ihr diese Impulsveranstaltung am Herzen. Dabei hofft sie auf einen regen Austausch und einen Anstoß für eine familienfreundliche, liberale Initiative.

Grigorios Aggelidis kommt aus Hannover. Er ist MdB der FDP und Sprecher für Familie und Senioren