Neue nachhaltige Rennserie mit Wasserstoff-Autos soll den Motorsport beleben – und Werbung für die Wasserstofftechnologie machen

Mit 81 Jahren nochmal was reißen – das kann nur ein Mittelständler sein. Und Schwabe dazu. Hans Werner Aufrecht ist beides. Der Gründer von Mercedes AMG kümmert sich jetzt als Aufsichtsratschef beim Unternehmen HWA AG mit Sitz in Affalterbach (Landkreis Rems-Murr) um die Zukunft des Motorsports. Seine Vision und die der Partner von ADAC, Dekra und DMSB (Deutscher Motor Sport Bund): Ab dem Jahr 2023 soll mit der HYRAZE League die weltweit erste Automobil-Rennserie an den Start gehen, die auf umweltfreundlich produzierten Wasserstoff als Energieträger setzt.

Es entsteht eine nahezu emissionsfreie, sichere und zukunftsfähige Form des Motorsports, die zugleich Entertainment auf der Höhe der Zeit bietet. Die Rennen werden mit 800 PS starken Wasserstoff-Autos ausgetragen. Die Energie für den emissionsfreien Antrieb liefert grüner Wasserstoff, der in den beiden Brennstoffzellen der Rennfahrzeuge in Strom für die 4 Elektromotoren umgewandelt wird. Was uns als Liberaler Mittelstand freut: Das Projekt hat seine Heimat in Baden-Württemberg. Vor wenigen Tagen wurde es bei der Dekra in Stuttgart vorgestellt. Beteiligt sind außerdem die Schaeffler AG und der E-Sport-Verband WESA.

Fahrzeug fängt Bremsstaub ein, danach wird er entsorgt

Die HYRAZE League geht nicht nur beim Antriebskonzept neue Wege. Einzigartig im internationalen Rennsport wird auch das Bremssystem der allradgetriebenen Fahrzeuge. Denn jeglicher anfallende Bremsstaub entweicht nicht unkontrolliert in die Umwelt, sondern wird im Fahrzeug aufgefangen und im Nachhinein umweltneutral entsorgt. Spezielle, aus schnell nachwachsenden Rohstoffen entwickelte Reifen sorgen außerdem für eine Minimierung des Reifenabriebs. Zusammen mit einer strikt limitierten Anzahl von Reifen reduziert sich die Feinstaubbelastung wesentlich.

Prototyp des Wasserstoff-Rennwagens

Auch für die Rennfahrer hat die neue Technologie einen bedeutenden Vorteil: Durch das auf Sprintrennen optimierte Energiekonzept können sie die volle Performance des Fahrzeugs über die gesamte Renndistanz nutzen. Durch die Möglichkeit, die beiden Tanks während eines Rennens schnell zu befüllen – ein grundlegender Vorteil, den die Wasserstofftechnologie gegenüber rein batterieelektrischen Fahrzeugen bietet – könnten die Rennen jederzeit auf Langstreckendistanzen erweitert werden.

Gleiches Material für alle Teams

Die Karosserieteile werden aus einem Naturfaser-Verbundwerkstoff hergestellt und können von den Teams frei nach ihren Vorstellungen gestaltet werden. Damit ist sichergestellt, dass jeder seine individuelle Designsprache und Karosserieform wählt. Klare Regeln im Bereich der Aerodynamik sorgen dafür, dass trotz freier Karosseriegestaltung kein kostenintensiver Aerodynamik-Wettbewerb entsteht. Unter der Außenhaut basiert die Technik der ersten Fahrzeuggeneration im Wesentlichen auf Einheitsbauteilen, die von den an dem Projekt beteiligten Technologiepartnern entwickelt werden. Der ganzheitliche Ansatz sorgt dafür, dass mit der HYRAZE League eine umweltfreundliche und technologietreibende Form des Motorsports entsteht.

Neuer Ansatz: Team aus realem Fahrer und E-Sport-Fahrer

Mit einer neuartigen Verknüpfung von E-Sport und realem Motorsport geht die HYRAZE League außerdem neue Wege, um nicht nur die Fans an der Strecke, sondern auch die digitalaffine Zielgruppe anzusprechen und zu begeistern. Die Teams haben für jedes Auto zwei Fahrer – einen für die realen Wertungsläufe und einen, der an den gleichfalls zur Meisterschaft zählenden E-Sport-Events teilnimmt. Die Ergebnisse beider Rennen fließen zu gleichen Teilen in die Meisterschaftswertung ein, sodass am Ende ein Team als Gesamtsieger beider Disziplinen gekürt wird – ein absolutes Novum im Motorsport. Die WESA (World eSports Association) gestaltet als Serienpartner die Entwicklung der Rahmenbedingungen im virtuellen Umfeld maßgeblich mit, um die HYRAZE League Sim Wettbewerbe auf absolutes E-Sport top Niveau zu heben. Regelwerke, Schiedsgerichtsbarkeit und die faire Einbindung von Teams und Gamern sind die WESA Kernkompetenzen in der Welt der elektronischen Spiele.

Er lebt noch: schwäbischer Ingenieurgeist

Das Gesamtkonzept und wesentliche Komponenten des Fahrzeugs entwickeln die Engineering-Experten der HWA AG. Teil dieses Konzepts ist ein bewusster Verzicht auf aerodynamischen Abtrieb, was zur Freude der Fans Überholmanöver erleichtern wird und Action auf der Strecke garantiert. Der fehlende Anpressdruck sorgt für einen längeren Bremsweg, was neben dem sportlichen Aspekt vor allem einer optimierten Energie-Rückgewinnung durch Rekuperation zugutekommt. Die während des Bremsvorgangs gesammelte Energie wird kurzfristig in kompakten Hochleistungs-Batteriezellen gespeichert.

Firmensitz von HWA in Affalterbach bei

Die HWA AG ist ein 360°-Engineering-Experte in den Bereichen Automobilrennsport und Hochleistungsfahrzeuge. Das 1998 von Hans Werner Aufrecht gegründete Unternehmen bietet ein Leistungsportfolio von der Konstruktion sämtlicher Fahrzeugkomponenten bis hin zur Fertigung von Gesamtfahrzeugen in Verbindung mit den entsprechenden Logistik-, Aftersales- und Support-Dienstleistungen.

Schaeffler: Steer-by-Wire-System und Torque Vectorin

Der weltweit führende Automobilzulieferer Schaeffler ist bei diesem Projekt als Innovations- und Technologiepartner für Komponenten wie Elektromotoren und Lenkung federführend beteiligt. Das im Fahrzeug implementierte Steer-by-Wire-System übernimmt die Steuerung  der Lenkung, durch rein elektronische Impulse. Die mechanische Verbindung über die  Lenksäule kann damit vollständig entfallen – ein Vorteil insbesondere auch für autonom agierende Fahrzeuge. Vernetzt über intelligente Steuerungssysteme werden Fahrdynamikfunktionen, wie z.B. Torque Vectoring, möglich.

Die HYRAZE League liefert durch den Einsatz von modernster Technik in allen Bereichen wichtige Impulse für den Technologietransfer und ist so die optimale Entwicklungsplattform für die Mobilität der Zukunft. Außerdem ist sie ein Zeichen für den Automobilstandort Baden-Württemberg und den Erfindergeist rund um neue Antriebsvarianten.

Ein Präsentationsvideo über HYRAZE gibt es bei YouTube: https://www.youtube.com/watch?v=zuNfbna8Imo

(Copyright Fotos: PR/HWA AG)

 

LIM vor Ort: Firmenbesuch bei der CMBlu AG in Alzenau. High-Tech-Batterien für Strom-Großspeicher & Schnelllade-Infrastruktur

Im Energiesektor und der E-Mobilität steckt großes Wachstumspotenzial. Auch für den Mittelstand entstehen hier neue Geschäftsfelder und neue Jobprofile. Vorreiter im Markt großer stationärer Stromspeicher und der Schnelllade-Infrastruktur für E-Mobilität ist die CMBlu Energy AG in Alzenau (Landkreis Aschaffenburg/Bayern). Die Firma entwickelt Stromspeicher auf Basis organischer Elektrolyte. In allen Energiebereichen können die Organic-Flow-Batterien eingesetzt werden. Als „Schlüsseltechnologie“ eignen sich die High-Performance-Batterien auch für die Schnellladeinfrastruktur für E-Autos.

LIM-Mitglieder aus BaWü, Bayern, Hessen und Rheinland-Pfalz bei CMBlu

Die Vision des Unternehmens mit inzwischen rund 90 Mitarbeitern war Anlass für eine LIM-Delegation, CMBlu zu besuchen und mit dem Gründer und CEO, Dr. Peter Geigle, und Dr. Gerald Heimann, Head of Strategic Business Development, über die Energiewende und Innovationen in der Branche zu sprechen. Angeführt wurde die Gruppe vom neuen LIM-Bundesvorsitzenden Dr. Dorian Hartmuth. Ebenfalls mit dabei: Dr. Thilo Scholpp, der neue LIM-Generalsekretär und Landesvorsitzende BaWü, sowie Victor Piel, Landesvorsitzender Rheinland-Pfalz, und Wolfgang Oepen aus Rheinland-Pfalz. Dr. Scholpp brachte aus Stuttgart Dipl-Ing. Benedikt Zimmermann mit. Der Ingenieur arbeitet in der Automobilindustrie und beschäftigt sich intensiv mit synthetischen Kraftstoffen. Zu diesem Thema hat er für die FDP Stuttgart schon verschiedene Anträge für Landes- und Bezirksparteitage mitformuliert.

Dezentrale Energiespeicherung: So sieht CMBlu die Zukunft

Politiker lassen sich Zukunftstechnologie zeigen

Dass ein Unternehmen wie CMBlu großes Wachstumpotenzial hat und zudem auf den Standort Deutschland setzt, begeisterte auch Bundes- und Landespolitiker. „Wir sind stolz, dass unserer Einladung die beiden FDP-Bundestagsabgeordneten Judith Skudelny und Karsten Klein gefolgt sind sowie Helmut Kaltenhauser, MdL aus Bayern“, sagt der LIM-Bundesvorsitzende Dr. Dorian Hartmuth. CMBlu entwickelt großtechnische, stationäre Stomspeicher für alle Bereiche des Energiesystems. Die LIM-Delegation erfuhr, dass die Produkte des Unternehmens sehr vielseitig eingesetzt werden können. Etwa als Quartierspeicher, an Windkraftanlagen (On- und Off-Shore) sowie in Häfen, auf Fähren und Kreuzfahrtschiffen.

Für die gerade vorangetriebene E-Ladestruktur an Tank- und Raststätten, entlang von Fernrouten sowie in urbanen Mobilitäts-Hubs sieht CMBlu vor, dass die Energie in großen Schnellladeparks in den Organic Flow Batterien vorgehalten wird. Die Zuleitung kann über den Tag verteilt über Standardleitungen erfolgen. Große und teure Netzanschlüsse, die nur in Spitzenzeiten erforderlich wären, braucht es deshalb nicht.

Vorteil made in Germany – wir sind hier führend

Dr. Gerald Heimann führte aus, dass bei Organic Flow Batterien alles für Entwicklung und Produktion in Deutschland spricht. Schon heute sie man bei organischen Speichersystemen führend, weil Kernkompetenzen der deutschen Industrie hier ein wichtige Rolle spielen. Konkret: Chemie und chemische Verfahrenstechnik, Anlagenbau und Qualitätsfertigung. Die gesamte Wertschöpfung findet hierzulande und in anderen europäischen Ländern statt. Was ist das Besondere an Organic-Flow-Batterien? Sie basieren auf Flüssigkeiten, nutzen nur organische Materialien, sind nicht brennbar oder giftig, vielseitig verwendbar und haben eine höhe Effizienz. LIM-Generalsekretär Dr. Thilo Scholpp: „Was hervorzuheben ist in Zeiten hoher ökologischer Maßstäbe: die CMBlu-Lösung benötigt keine wertvollen Metalle, seltene Erden oder kritische Rohstoffe!“

Leistung und Kapazität je nach Anwendung skalierbar

Der XTL-Kraftstoff-Experte Benedikt Zimmermann war ebenfalls sehr angetan von Konzept des Mittelständlers aus Alzenau: „Die Lösung von CMBlu könnte eine von vielen nötigen Lösungen im Energiesystem der Zukunft sein. Besonders gegenüber großen stationären Energiespeichern auf Lithium-Basis sind erstmal nur Vorteile zu erkennen – bis auf den Platzbedarf. Vor allem die Skalierbarkeit sowohl von Leistung (über standardisierte Module, die sich beliebig parallel schalten lassen) als auch von der Kapazität (über die Tankgröße) ist interessant.“  Zimmermann schränkt jedoch ein: Aufgrund der sehr geringen Energiedichte sind Organic Flow Batterien keine Lösung für alle Probleme. Gegenüber flüssigen, kohlenwasserstoffbasierten Energieträgern wie zum Beispiel E-Fuels  werde ca. 250 mal so viel Volumen für den gleichen Energiegehalt benötigt. Um Ökostrom zu speichern und über lange Strecken zu transportieren sowie für mobile Anwendungen und als saisonaler Specher gebe es gute Alternativen.

Natur als Vorbild – Kohlenstoff unbegrenzt verfügbar

Nicht umsonst steckt das Wort „organisch“ im Titel. CMBlu bedient sich einer Verfahrensweise aus der Natur: Für die Versorgung mit Energie greift die Natur auf kohlenstoffbasierte organische Moleküle zurück.  Nach diesem Prinzip laufen die Großspeicher mit den Organic-Flow-Batterien. Und weil Kohlenstoff in der Natur unbegrenzt verfügbar ist, sind auch beliebig große Stromspeicher möglich. Am Standort Alzenau läuft die Fertigung deshalb auf vollen Touren, Partner sind führende Industrieunternehmen.

 

 

 

Judith Skudelny (MdB) und Dr. Helmut Kaltenhauser (MdL), Karsten Klein (MdB) und Dr. Thilo Scholpp, LIM-Generalsekretär (v.l.n.r.)

Firmensitz ist in Alzenau, am Rande der Rhein-Main-Metropolregion

Abend-Veranstaltung mit Dr. Helmut Kaltenhauser und Judith Skudelny

Nach dem sehr informativen Besuch bei CMBlu fand am Abend noch eine Veranstaltung zum Thema „Wasserstoff in der Region“ statt. Geladen hatte Dr. Helmut Kaltenhauser,  und der Saal in der Alten Post Alzenau war gut besetzt. Im Rahmen der Nationalen Wasserstoffstrategie der Bundesregierung will auch Bayern Ideen in diesem Zukunftsfeld umsetzen. Dr. Kaltenhauser führte in das Thema ein und begrüßte es, dass die FDP-Kreistagsfraktion in Aschaffenburg mit einem Antrag zur Errichtung einer Wasserstofftankstelle eine erste lokale Initiative gestartet hat.

Welche Möglichkeiten zur Nutzung von Wasserstoff gibt es? Wie kann Wasserstoff zur Senkung der Emissionen beitragen? Und wie steht es um die Zukunft von Verbrenner-Autos auf unseren Straßen? Hierzu hielt Judith Skudelny, umweltpolitische Sprecherin der FDP-Bundestagsfraktion, ein Impulsreferat und diskutierte mit dem interessierten Publikum.

Weiter Infos unter www.cmblu.de

Image-Film: https: www.youtube.com/watch?v=kc8bmQHXySU

Funktionsprinzip der Organic-Flow-Batterien

 

Weltweiter Wachstumsmarkt für große Energiespeicher

(Copyight Fotos: LIM BaWü/CMBlue Energy AG)