VDMA Baden-Württemberg: Kapazitätsanpassungen und Liquiditätsprobleme bei vielen Maschinenbauern im Land – eine Bestandsaufnahme

Es war nicht anders zu erwarten: Der Maschinen- und Anlagenbau in Baden-Württemberg bekommt die Folgen der Corona-Pandemie immer stärker zur spüren. Dies belegt eine aktuelle Umfrage des Fachverbands. Nachfolgend die offizielle Pressemitteilung des VDMA Baden-Württemberg:

Eine aktuelle VDMA-Umfrage zeigt, dass 88 Prozent der befragten Betriebe aus dem Südwesten bereits Kapazitätsanpassungen vorgenommen haben. Hiervon haben 80 Prozent der Unternehmen Maßnahmen zur Kurzarbeit umgesetzt. Ein Produktionsstopp war für 12 Prozent der Unternehmen im Land das Mittel der Wahl. 17 Prozent der befragten Unternehmen haben bereits einen Personalabbau bei den Stammbelegschaften vorgenommen.

Abhängigkeit von Autobranche

„Die Abhängigkeit des baden-württembergischen Maschinenbaus von der Automobil- und der Automobilzulieferindustrie verstärkt die Corona-Auswirkungen. Viele Investitionsvorhaben dieser, aber auch anderer Kundenbranchen werden zurzeit aus Unsicherheit aufgeschoben. Der Maschinenbau im Land hängt in der Luft und muss seine Priorität auf Liquiditätssicherung legen. Kapazitätsanpassungen sind die logische Folge“, kommentierte der Vorsitzende des VDMA Baden-Württemberg, Dr. Mathias Kammüller, bei einem Pressegespräch in Stuttgart die Maßnahmen.

Vorsitzender VDMA Baden-Württemberg: Matthias Kammüller, Trumpf

 

Liquidität wird zur besonderen Herausforderung

Entsprechend deutlich fällt in der Umfrage die Angabe der Unternehmen zu Liquiditätsengpässen aus. 46 Prozent geben das Fehlen liquider Mittel als aktuelle Herausforderung an, auf Bundesebene sind dies laut VDMA-Umfrage 43 Prozent. Als weitere Probleme benennen die Unternehmen in Baden-Württemberg Reise- und Aufenthaltsbeschränkungen (85 Prozent) sowie die Verweigerung bzw. Verzögerung der Abnahme von Maschinen, Anlagen oder Komponenten (64 Prozent) durch die Kunden.

Jetzt Anreize für Investitionen setzen

Mit Blick auf die Rahmenbedingungen in dieser Situation lobte der Vorsitzende des VDMA Baden-Württemberg zwar die bisherigen Unterstützungsmaßnahmen der Politik, forderte aber auch ein strategisches Weiterdenken. „Unsere Unternehmen und die gesamte Wirtschaft müssen schnell wieder in Tritt kommen, um Arbeitsplätze zu sichern. Dazu benötigen wir zügig ein breiteres Instrumentarium an Stimuli, das eingesetzt wird, um Vertrauen aufzubauen und Investitionen zu fördern“, betonte Dr. Kammüller.

Darunter fällt eine deutliche Ausweitung des Verlustrücktrags, um den Unternehmen Liquidität für Investitionen zuzuführen, sowie eine sofortige und vollständige Abschaffung des Solidaritätszuschlags. Mit verbesserten Abschreibungsbedingungen für Investitionsgüter ließen sich weitere Anreize für mehr private Investitionen und damit für mehr Wachstum setzen, erklärte er.

Auch sei es notwendig, die europäischen Grenzen wieder umfassend zu öffnen und Quarantäneregeln weiter zurückzufahren beziehungsweise für die Unternehmen unbürokratisch handhabbar zu machen. „Denn eine Erholung ist ohne funktionierenden Binnenmarkt und Personenfreizügigkeit nicht möglich“, sagte Dr. Kammüller.

Branche bereits 2019 in schwierigem Fahrwasser

Vor dem Hintergrund technologischer Transformationsprozesse und globaler Handelsdispute musste der exportorientierte Maschinenbau in Baden-Württemberg bereits vor Corona deutliche Einbußen hinnehmen. Der Umsatz 2019 sank im Vergleich zum Vorjahr um 2,7 Prozent auf 83 Milliarden Euro. Der Auftragseingang schrumpfte um 13 Prozent, die Exporte blieben 2,3 Prozent unter ihrem Vorjahresniveau. In der vergangenen Dekade erwies sich der Maschinenbau als echter Jobmotor, inzwischen sind die Bremsspuren aber deutlich sichtbar. Im Februar 2020 beschäftigten die Firmen im Land rund 3000 Menschen weniger als im Vorjahresmonat.

 

Schweiißen mit einem Lasersystem von Trumpf

 

Was passiert in der zweiten Jahreshälfte 2020?

Auch der Auftragseingang im ersten Quartal 2020 sendete mit einem Rückgang von 4 Prozent gegenüber Vorjahr keine positiven Signale. „Die volle Breitseite der Corona-Pandemie erwarten wir ab April, bisher haben uns im Auftragseingang nur Tiefausläufer erreicht“, kommentierte Dr. Kammüller die Orderlage.

Die Entwicklung im zweiten Halbjahr 2020 sei aufgrund der fortgesetzten Dynamik der Pandemie zwar schwierig vorherzusehen, es gebe aber durchaus auch Lichtblicke: „Bisher ist es nicht zu Stornierungen von Aufträgen auf breiter Front gekommen. Es besteht also die Hoffnung, dass Investitionsvorhaben auch schnell wieder anlaufen können und wir – bei entsprechenden Rahmenbedingungen – im zweiten Halbjahr in Tritt kommen“, resümierte der Vorsitzende.

(Copyright Fotos: PR/Trumpf, Ditzingen)